Auch ohne Bank: So finanzieren Sie Ihre Digitalisierung in 2 einfachen Schritten.

Dieter Kramps
Beratung

Nur allzu oft scheitert ein notwendiges Digitalisierungsvorhaben am flexiblem Zugang zu finanziellen Mitteln. Eine Kombination des aus dem Venture Capital Bereich bekannten Finanzierungsinstruments der Wandelanleihe mit anschliessender stimmrechtsloser Beteiligung Ihres Geldgebers kann helfen. Ein Erfahrungsbericht.

Kommt Ihnen das bekannt vor ?

Digitalisierung ist in Ihrem Unternehmen dringend erforderlich. Aber es fehlt gerade an liquiden Mitteln. Kein Problem - denken Sie - der Staat will ja Digitalisierung in Deutschland fördern. Sie gehen zu Ihrer Hausbank, um ein zinsgünstiges Darlehen plus Fördermittel zu erhalten. Im Rahmen der Prüfung Ihrer Anfrage wird aber schnell klar: selbst wertvolle Produktionsmittel und Anlagevermögen Ihres Unternehmens werden aufgrund unzureichender Verwertbarkeit durch die Bank bei Ausfall nicht als Sicherheit akzeptiert. Vielmehr werden Sie als Unternehmer zur Absicherung über Ihr Privatvermögen aufgefordert. Öffentliche Institutionen treten lediglich in zweiter Linie als Rückabsicherer ein, falls Sie entgegen Ihren Erwartungen als Unternehmer die Rückführung der Darlehen endgültig nicht mehr leisten konnten. Ihr Fazit: Digitalisierungsförderung durch Land und Bund helfen zwar den Banken, sind aber für Sie als kapitalsuchender Unternehmer nicht wirklich geeignet.

Bankenunabhängige Finanzierung - wie geht das ?

Eine mögliche Lösung für dieses Dilemma ist die konstruktive Zusammenarbeit mit Anlegern, die aufgrund der Lage am Finanzmarkt derzeit keine hinreichend ertragreiche Möglichkeit zur Positionierung ihrer überschüssigen liquiden Mittel finden:

(1) Das kapitalsuchende Unternehmen A und der Kapitalgeber B vereinbaren bilateral eine Wandelanleihe, also ein befristetes Nachrangdarlehen über die benötigte Summe und einen moderaten, jedoch risikoadäquaten Zinssatz. (2) Während der Laufzeit kommuniziert Unternehmen A vorher vereinbarte Kenngrößen zum Unternehmenserfolg an B und A und B lernen sich genauer kennen. (3) Am Ende der Laufzeit hat B die Wahl, sich zu vorab vereinbarten Konditionen am Unternehmen A stimmrechtslos zu beteiligen oder z.B. die Rückzahlung des Darlehens anzufordern.

Die Beteiligung erfolgt - und das ist neu - in Form sogenannter digitaler Wertpapiere. Das sind Genußrechte, über die B am Unternehmenserfolg von A über eine jährliche Dividende sowie im Falle eines "Change of Control" am Verkaufserlös des Unternehmens B profitiert. Die Beteiligung ist also besonders interessant, wenn A mittelfristig einen Veränderung der Besitzverhältnisse anstrebt.

Die Abwicklung der stimmrechtslosen Beteiligung und die digitale Übergabe der Rechte erfolgt über einen Dienstleister in Deutschland nach deutschem Recht, auch für kleinere Investitionssummen.

Und was hat der Anleger von der Beteiligung ?

Der Anleger B profitiert nicht nur von Zinsen, sondern auch von den erwarteten Erfolgen der Digitalisierung, die A durchführen konnte, und damit vom gestiegenen Unternehmenswert und Dividenden. Mit digitalen Wertpapieren kann der Anleger schnell, sicher und von jedem Ort der Welt aus die vereinbarten und weitere Anteile an A erwerben, und zwar in Form von Genussrechten am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens nach deutschem Recht mit dem Status einer eigenkapital-ähnlichen Investition. Der Anleger erhält eine pro rata Beteiligung an jeder Gewinnausschüttung für die Gesellschafter sowie im Falle klar definierter Ereignisse, z.B. Change-of-Control, Börsengang, signifikante Anteilsverkäufe. Insgesamt ergeben sich folgende Vorteile

Höhere Fungibilität: Digitale Wertpapiere sind leicht übertragbar. Der Anleger ist nicht - wie als klassischer Gesellschafter - auf unbestimmte Zeit an seine Anlage gebunden. Breitere Diversifizierung / kleinere Tickets: Die kleinere Ticket-Größe macht es leichter, überschaubarere Investments in verschiedene Unternehmen zu tätigen. Auf gleicher Vertragsbasis, nach dem gleichen einfachen Verfahren. So können Risiken bequem gestreut und Kapital risikominimiert angelegt werden. Direktinvest:  Der Anleger investiert direkt in das jeweilige Unternehmen. Lokale technische Dienstleister: Die Wertpapiere werden über deutsche oder EU-ansässige Dienstleister technisch bereitgestellt. Der Geldfluss erfolgt in Euro direkt von der Bank des Anlegers zur Bank des kapitalsuchenden Unternehmens. Die digitalen Wertpapiere erhält der Anleger per Online Wallet. Kein Crowd Funding, keine Bitcoins: Digitale Wertpapiere dieser Art sind exklusiv für qualifizierte Anleger sowie für ausgewählte Privatanleger verfügbar. Es handelt sich nicht um Crowd Funding. Es erfolgt kein Zahlungsverkehr in Kryptowährung. Wie jede Anlageform unterliegt auch diese in Deutschland und der EU staatlicher Regulierung.

Erfahrungen und Fazit

Im vorliegenden Fall suchte der Autor eine Finanzierung für innovative Produkterweiterungen in seiner Softwareschmiede, die anderen Unternehmen eine IT-Lösung zur einfachen Digitalisierung anbietet. Die Wandelanleihe wurde mit einem mittelständischen Partner vereinbart, der überschüssige Liquidität sinnvoll anlegen wollte. Für das Handling von Angebot und Erwerb der digitalen Wertpapiere wurde ein in Deutschland ansässiger technischer Dienstleister genutzt. Das zugehörige Legal Framework wurde in Zusammenarbeit mit einer internationalen Kanzlei nach deutschem Recht entworfen.

Die besondere Herausforderung in diesem Projekt war (und ist) vor allem das eigenständige Finden der Anleger für das noch recht neue Finanzierungsmodell, da der technische Dienstleister nur wenig Marketing bietet und selbst keine Kapitalvermittlung durchführt. Natürlich gibt es auch hierfür Vermittlungsdienstleister, die aber vom Autor bisher nicht genutzt wurden. Fazit: Erst die Kombination der digitalen Wertpapiere mit einer vorgeschalteten Wandelanleihe und damit die wichtige Kennenlernphase und Ausstiegsoption für den Investor führten letztlich zum Erfolg.

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Rechtlicher Hinweis: Diese Informationen stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar (§ 85 WpHG). Sie dienen lediglich der allgemeinen und unverbindlichen Information. Die Informationen wenden sich zudem ausschließlich an qualifizierte Anleger im Sinne von Artikel 2(1)(e) der Prospektrichtlinie (Richtlinie 2003/71/EG einschließlich aller Änderungen dazu) inklusive der dort definierten Ausnahmetatbestände für ausgewählte Privatanleger sowie aller maßgeblichen Umsetzungsmaßnahmen in Deutschland und dem jeweiligen Mitgliedsstaat des Europäischen Wirtschaftsraums.